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Literatur nicht nur lesen, sondern erleben: Im Zuge der Behandlung von Heinrich von Kleists bekanntestem Drama “Der zerbrochene Krug” im Unterricht, das mittlerweile Pflichtlektüre im Abitur ist, durften wir, die Q12, am 09.03.2026 durch eine Theateraufführung der “Neuen Werkbühne München” das Werk aus einer ganz neuen Perspektive kennenlernen.

Das Theater war sehr ansprechend gestaltet und äußerst werkgetreu. Die Handlung war nahezu identisch mit der Buchvorlage, lediglich ein wenig verkürzt (passend für Schulaufführungen) und es wurde auf Nebencharaktere verzichtet, was das Verständnis des Stückes aber nicht weiter einschränkte. Der größte Unterschied war der Geschlechtertausch des Gerichtsrats Walter, denn in diesem Theaterstück übernahm eine Frau die Rolle und kein Mann, wie es in der Originalfassung geschrieben ist. Dies fand Gefallen, da es einen Bezug zur Moderne herstellt, weil es zeigt, dass Frauen ebenfalls durchaus in der Lage sind, eine autoritäre und führende Position zu übernehmen und sich durchzusetzen, was damals leider eher unüblich war, sich aber zum Glück im Laufe der Zeit geändert hat. Im Nachgespräch mit den Schauspielern wurde auch erklärt, dass Eve in diesem Stück eine Frau als Bezugsperson bräuchte, um den Mut aufzubringen, die Wahrheit zu sagen. Dies symbolisiert den Zusammenhalt der Frauen, welcher sowohl früher als auch heute immer wieder eine wichtige Rolle spielt. Ein weiterer kleiner Unterschied war die relativ moderne Kleidung der Schauspieler, welche ebenfalls einen Bezug zur Moderne herstellen sollte, um zu betonen, dass sexuelle Übergriffe, wie er auch in Kleists Werk stattfindet, sowohl damals als auch heute passieren und die Opfer geschützt werden und sich trauen sollten, zur Anzeige zu greifen. Besonders zu loben war die schauspielerische Leistung jedes Einzelnen, da sie ihre Rollen perfekt verkörperten und man sich die Personen wie im Buch vorstellen konnte. Ebenfalls gut inszeniert war das Schlussbild mit der Beleuchtung auf Eve, um zu betonen, dass sie in dieser Theaterinterpretation im Gegensatz zur Originalfassung eigentlich die ganze Zeit im Mittelpunkt stand und ihr zum Glück Recht geschehen ist.

Insgesamt war es also eine sehr gelungene Vorstellung, besonders im Hinblick auf die Neuinterpretation und die Rolle der beiden Frauen in diesem Stück.

Text: Jana Groschwitz, Q12, Bild: Benedikt Vornberger

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